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By Leopold Stefan
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Published: April 2012
„IM KINDERGARTEN SCHWITZT DAS WUNDERKIND AUS Angst vor dem Poltergeist und seinem Doppelgänger.“ Was ist das Bemerkenswerte an dem vorangehenden Satz? Richtig – er kann von jemandem mit englischer Muttersprache verstanden werden ohne eine einzige Stunde Deutschunterricht gehabt zu haben. Umgekehrt würde jeder Österreicher mit größter Selbstverständlichkeit einen Satz wie diesen verwenden: „Lass uns nach dem Job im Callcenter bei der After-Work-Party im Club chillen, da ist grad Happy Hour.“ Die Selbstverständlichkeit mit der sich solche Lehnwörter etabliert haben führt dazu, dass auch jene Mitmenschen ohne formale Ausbildung bereits ein Grundgefühl für die Verwendung der Fremdsprache erworben haben.
NATÜRLICH HÄLT SICH DIE ANZAHL UND ALLTAGStauglichkeit der deutschen Lehnworte in Grenzen. Abgesehen von einem höflichen „Gesundheit!“ nach einem Nießanfall, wird man selten die Gelegenheit haben von seinem „Weltschmerz“ oder seiner „Schadenfreude“ zu berichten. Durch den Status als Weltsprache stehen die englischen Begriffe ganz anders da. Dies führt so weit, dass sogar erfundene Vokabeln entstehen, die nur scheinbar anglo-amerikanischen Ursprungs sind. Zum Beispiel telefonieren wir in Österreich und Deutschland mit dem „Handy“ (In der Schweiz mit dem „Natel“). Wir „beamen“ unsere Präsentationen und tragen schicke „Pullunder“. Einen amerikanischen Pensionisten und Ehemann zu fragen ob man seinen „Oltimer riden“ dürfe, könnte ebenso missverstanden werden. Solche Scheinanglizismen führen daher oft zu bedauerlichen Missverständnissen.
EBENSO VERHÄLT ES SICH MIT DEN „FALSCHEN FREUNden“, welche durch ähnliche Konstruktion zu einem muttersprachlichen Äquivalent eine falsche Bedeutung suggerieren. So wurde meine Freundin kürzlich eines Doppeldeckerbusses in London verwiesen, als sie dem ungeduldigen Fahrer beteuerte „I don’t have it in small“ als jener auf Bezahlung der Fahrkarte warten musste. Ein ehemaliger Schulfreund erklärte einmal „I will to get a lawyer to become money“. In solche Fallen kann man freilich auch in anderen Sprachen tappen, wie eben jener Schulkamerad einst an der Côte d’Azur erleben durfte als er in einem Souvenirgeschäft, sich des Zweckes eines Kaleidoskops unsicher, dieses dem Verkäufer entgegenstreckte und die existenziell anmutende Frage stellte: „Pourqoi?“
SOLCHE ANEKDOTEN VERMÖGEN ZU ERHEITERN, ABER Sprachbarrieren dieser Art können auch zu tief greifenden Missverständnissen führen. Dem deutschen Wort „Freiheit“ stehen im Englischen zwei Begriffe „freedom“ und „liberty“ gegenüber. Obwohl ersteres eine allgemeinere Anwendungen findet und letzteres stärkere politische Konnotation trägt, werden die „Freiheitlichen“ Parteien im deutschsprachigen Raum als „freedom parties“ übersetzt. Dies ergibt durchaus Sinn, weil man nicht in das politische Begriffsgewirr gelangt, welches sich vom englischen „liberty“ abwandelt. Jedoch erschwert dies Außenstehenden oft die Zuordnung politischer Positionen aus Amerika. So steht in den USA der Begriff „liberal“ für eine Ideologie der sozialen Gleichberechtigung und somit für eine stärkere Rolle des Staates um die dafür notwendigen Gesetzte und Programme zu lenken. Gegner verwenden das Wort oft verächtlich und setzten es dem „socialism“ gleich. Wer sich einen kleineren Staat mit Freiheit vor möglichst vielen Einschränkungen wünscht bezeichnet sich daher als „libertarian“.
DAS PARADOXE IST, DASS NUR WENIGE IHREN FREIHEITSbegriff auf alle Lebensbereiche anwenden. So wollen Demokraten höhere Einschränkungen durch Steuern und Versicherungspflichten, aber propagieren die Möglichkeit der Ehe für Homosexuelle und die Freiheit der Frau abzutreiben. Der vorzeige Republikaner hingegen wünscht sich eine Abschaffung aller Umverteilungsmaßnahmen und Eingriffe in sein Recht eine Waffe zu tragen, fordert jedoch religiös motivierte Lehrpläne und das Verbot von Abtreibung sowie der gleichgeschlechtlichen Ehe.
DIE WENIGEN POLITIKER MIT EINEM KONSEQUENT VOLLZOgenen Freiheitsbegriff, so wie der tatsächlich Libertäre Präsidentschaftskandidat Ron Paul, sind radikale Randerscheinungen. So gilt es eben aufzupassen sich einem Amerikaner gegenüber als liberal zu outen, ohne den Zusatz gesellschaftlich oder wirtschafts- anzubringen. Es sei übrigens auch davon abzuraten, sich als Austrian zu deklarieren, außer man versucht bei der Tea-Party Bewegung Anklang zu finden.
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